Männer ohne Bart sind Männer, die lieber eine Frau sein möchten!

November 27th, 2005 § 2 comments

„Bist du ein Mann oder eine Frau?“ „Ein Mann.“ „Dann verschönere den Mann, nicht die Frau. Von Natur aus ist die Frau zart und glatt, und hat sie ein behaartes Kinn, so ist sie eine Missgeburt, und man stellt sie in Rom mit anderen Missgeburten gegen Geld aus. Genauso verhält es sich mit dem Mann, wenn er keine Haare am Kinn hat. Ist er von Natur aus Haarlos, so ist er missgebildet.

Wenn er sich die Haare aber wegschneidet oder ausrupft, was sollen wir dann mit ihm machen? Wo sollen wir ihn zur Schau stellen, und was sollen wir auf das Schild schreiben? „Hier können Sie einen Mann sehen, der lieber eine Frau sein will.“ Was für ein schreckliches Schauspiel! Wird sich nicht jeder wundern, der das liesst? Ja, beim Zeus, ich glaube, selbst die Haareausrupfer würden sich wundern, ohne zu ahnen, dass es gerade um das geht, was sie tun. Du Unglücksmensch, was hast du für einen Grund, die Natur anzuklagen? Dass sie dich zum Mann gemacht hat? Wie? Hätte sie denn nur Frauen hervorbringen sollen? Was würde dir dann dein Hübschmachen helfen, und für wen würdest du dich schön machen wollen?, wenn wir alle Frauen wären? Gefällt dir die ganze Geschichte mit den Haaren nicht, so sei konsequent und entferne – wie soll ich es ausdrücken? – das, was die Ursache der Haare ist. Mach dich doch ganz zum Weib, damit wir klar sehen, nicht halb Mann und halb Frau! Wem willst du denn gefallen? Den Frauen? Dann gefalle ihnen als Mann! Sie lieben Männer mit glatten Gesichtern? Dann geh doch zum Henker! Wenn sie widernatürliches lieben, musst du dann solch einer werden? Ist das deine Lebensaufgabe? Bist du zur Lust krankhafter Weiber geboren? Sollen wir dich als solchen zum Bürger von Korinth machen, und taugst du dort zum Bürgermeister oder zum Führer der Jugend, zum Feldherrn oder Kampfrichter? Wirst du dich auch rupfen, wenn du verheiratet bist? Für wen und für welchen Zweck? Und wenn du Kinder hast, sollen die dann auch als bartlose Kreaturen in die Bürgerschaft aufgenommen werden? Ein schöner Bürger, Ratsherr und Volksredner! Sollen wir die Götter bitten, dass uns solche jungen Männer geboren und aufgezogen werden?

Bei den Göttern, nein, mein Freund!

Tilge nicht aus, was gut ist! Mach dir keine unnötige Mühe, sondern lass den Mann und die Frau, den Schönen schön und den hässlichen hässlich sein! Denn du bist nicht Fleisch oder Haar, sondern freier Wille. Wenn dieser einmal in dir schön sein will, dann wirst auch du schön sein. Jetzt aber bist du noch hässlich. Ich wage es kaum zu sagen, denn ich sehe wohl, dass du alles andere lieber hörst als dies.

Doch sieh, was Sokrates dem schönsten und anmutigsten unter allen Männern, dem Alkibiades sagt: „Strebe danach, schön zu sein!“ Wollte er damit sagen: „Lege deine Locken und zupf dir deine Beinhaare aus?“ Wohl kaum! Er sagte ihm damit: „Entwickle deinen freien Willen und bau deine wertlosen und üblen Meinungen ab! Und der Körper? Lass ihn, wie er von Natur ist. Dafür hat ein anderer gesorgt, dem kannst du es überlassen. Was also? Soll man unsauber und ungepflegt sein? Nein, natürlich nicht. Halte dich sauber als das, was du bist und wozu du geboren bist. Ein Mann soll sich pflegen wie ein Mann, eine Frau wie eine Frau und ein Kind wie ein Kind. Nicht aber wolen wir, der Reinlichkeit wegen, dem Löwen die Mähne ausreissen und dem Hahn den Kamm. Freilich sollen sie reinlich sein, aber so, wie es dem Löwen ziemt und dem Hahn, und der Jagdhund soll rein sein, wie es dem Jagdhund entspricht.“ (Quelle: Epiktet * um 50 in Hierapolis in Phrygien; † um 125 in Nikopolis in Epirus, war ein antiker Philosoph.)

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